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Die Katastrophe

Am 26. April 1986 ereignete sich im Atomkraft in Tschernobyl ein „GAU“ (größt-anzunehmender Unfall). Damit trat das ein, was nach Aussage von Risikostudien nur einmal alle Million Reaktorjahre vorkommen durfte. Der Reaktor brannte mehrere Tage, aufgrund der Wetterlage war in der direkten Umgebung vor allem Belarus von der nuklearen Wolke betroffen. Die Wolke zog dann weiter in Richtung Skandinavien, auch in Deutschland waren verschiedene Regionen erhöhten Strahlungen ausgesetzt. Diese fanden sich vor allem im Boden, Gras (und in der Folge in der Milch) und in Gemüse wieder.

 

Von Politik und Wissenschaft wurde in den Folgewochen nach der Reaktorkatastrophe die Sorgen – vor allem der weiblichen – Bevölkerung runtergespielt, ein völliges Informations-Wirrwarr verunsicherte weiter. Allerorten entstanden Gruppen „Mütter gegen Atomenergie“, die zum Teil viele Jahre bestanden und gegen die Nutzung von Atomenergie kämpften, aber auch für eine Informationspolitik, die ihnen verlässliche Entscheidungsgrundlagen bietet.

 

In der Region Tschernobyl (Ukraine) und in Belarus wird 15 Jahre später (2001) die Anzahl der Toten in der Zivilbevölkerung mit 10.000 beziffert, die Angaben zu den gestorbenen AufräumarbeiterInnen (LiquidatorInnen) schwanken zwischen 25.000 und 100.000. Die Rate von Krebserkrankungen der Schilddrüsen hat sich bei Kindern mehr als verdoppelt, ebenso die Brustkrebsrate bei Frauen. In der Ukraine sind 84% der drei Millionen Menschen, die Radioaktivität aufgenommen haben, als krank registriert. Darunter eine Millionen Kinder.

...und die Frauen?

Bereits vor dieser Katastrophe waren es in überwiegender Zahl Frauen, die sich in Bürgerinitiativen gegen Atomenergie einsetzten.

 

Überall auf der Welt zeigen Befragungen, dass Frauen in wesentlich größerem Umfang als Männern gegen Atomenergie sind: laut einer Umfrage im Auftrag von Greenpeace (2004) halten 68% der deutschen Frauen, aber nur 45% der deutschen Männer Atomenergie für ein großes Umweltproblem.

 

In Finnland wurde 1999 bei Befragungen nachgewiesen, dass nur 14% der Frauen, aber 46% der Männer eine langfristige Atomenergienutzung befürworten. Auffällig dabei: je höher der Bildungsstand der Frauen, desto stärker die Ablehnung. Umgekehrt bei Männern: je höher der Bildungsstand, desto stärker die Zustimmung. Physikalische Kenntnisse über die Funktionsweise führen, so lässt sich daraus schließen, bei dem weiblichen Geschlecht zu einer deutlicheren Wahrnehmung der Risiken, bei dem männlichen stärken sie das Vertrauen in die Technologie.